Was ist eigentlich Punchen?


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Wer sich für moderne maschinelle Stickerei interessiert, stößt früher oder später auf den Ausdruck „Punchen“. Was aber ist das genau und wie funktioniert es? Kann man das vielleicht selber machen oder ist es zu kompliziert und welche Geräte braucht man dafür?

Grundsätzlich können wir sagen: Punchen ist natürlich erlernbar, es ist aber eine Kunst, die viel Übung und Fachwissen erfordert. Denn hier treffen Computerfachwissen und Kreativität auf Materialkunde und Handwerk aus der Stickerei – das Punchen ist also der Schritt auf dem Weg zur Stickerei, der all diese Details zu einem großen Ganzen kombiniert!

Was genau ist jetzt Punchen?

Um das Punchen richtig verstehen zu können, stellen wir uns am besten zuerst vor, wie wir ein Stickbild mit der Nadel anlegen würden. Wir wählen einen Stoff aus, der zu dem Stickbild und den Garnen, die wir verwenden wollen, passt und konzipieren genau, was wir sticken wollen, damit sich ein schönes und klares Bild ergibt. Wir können verschiedene Stiche verwenden, wir können Bilder, Schrift und Ornamente entwerfen und müssen uns genau überlegen, mit welchen Farben wir arbeiten wollen. Dann geht es an die eigentliche Stickarbeit. Die Kunst besteht darin, die Nadeln so präzise zu führen, dass ein mehrfarbiges Bild mit gestochen scharfen Linien entsteht. Dabei muss jeder Stich genau an der richtigen Stelle sitzen und mit der perfekten Spannung ausgeführt werden, sonst gelingt das gesamte Bild nicht. Die Konturen werden unscharf, der Stoff spannt sich und liegt nicht mehr glatt, die Fäden verheddern sich – wer sich noch an seine ersten Stickversuche aus dem Handarbeitsunterricht erinnern kann, lacht jetzt vielleicht erleichtert darüber, dass es allen Anfängern so geht. Aber auch geübte Sticker, die diese Arbeitsschritte routiniert und intuitiv ausführen, wissen, dass sie sich beim Sticken von Hand auf viele gemütliche Abende am Stickrahmen einstellen müssen, um ein vielschichtiges Stickbild herzustellen.

Punchen – Unterstützung durch intelligente Computersoftware

Und all diese Arbeitsschritte müssen wir beim Punchen über eine intelligente Software der Stickmaschine vermitteln. Denn woher soll die Maschine sonst wissen, welches Garn sie an welcher Stelle des Stoffes aufsticken soll? Natürlich wäre es schön einfach, wenn man das Stickbild ähnlich einem Foto einfach einscannen und dann auf dem Stoff „ausdrucken“ könnte, aber Sticken ist immer noch ein mechanischer Vorgang und genau macht den hochwertigen Reiz von Stickereien aus! Dazu muss die Stickmaschine allerdings über jeden Schritt ihrer Arbeit genau informiert werden, denn sie arbeitet wie ein Roboter, der auch nur die Befehle ausführen kann, die er bekommt. Wenn die zu stickende Grafik eingescannt ist, beginnt also erst die eigentliche Arbeit für den Puncher, denn nun wird die Vorlage in detailreicher Arbeit in eine spezielle Stickdatei umgewandelt. Dazu müssen die Stichdichte, die Stichart und die Stichlänge genau eingegeben werden. Aber auch die Stichrichtung spielt natürlich ebenso eine wichtige Rolle wie die Reihenfolge, in der die einzelnen Farben zum Einsatz kommen sollen. Selbst der Stoff, der beim Besticken als Untergrund dienen soll, muss mit einbezogen werden, denn was auf Jeansstoff toll aussehen kann, könnte bei der gleichen Stickdatei auf einem zarten Taschentuchstoff wellig und verzerrt wirken.

Die Kunst des Punchens besteht also darin, alle Arbeitsschritte und Details genau im Auge zu behalten und den Computer so zu programmieren, dass die Stickmaschine alle Stiche genau so ausführen kann, dass sich ein harmonisches und scharfes Stickbild ergibt. Das erfordert natürlich neben dem notwendigen Computerfachwissen viel Übung, Feingefühl und Geduld. Das Glücksgefühl, das einen Puncher beim Anblick der fertigen Stickerei überkommt, lässt sich auch nur mit der Leidenschaft erklären, die dieser Beruf unbedingt erfordert. Denn man sieht dem Stickbild an, ob der Puncher seine Arbeit liebt!

Punchen – Geschichtlicher Hintergrund

Woher stammt aber nun eigentlich der Ausdruck Punchen? „To punch“ bedeutet in der englischen Sprache so viel wie lochen oder stanzen. Die Vorläufer unserer heutigen präzisen Stickmaschinen entstanden im Zuge der Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert. Damals wurde den Stickmaschinen über Lochstreifen übermittelt, wie sie den Stoff bewegen mussten, damit unter den flinken Nadeln eine Stickerei entsteht. Es entstanden also Spezialisten in der Textilverarbeitung, wie Sticker, Puncher und auch Zeichner, die den Punchern Vorlagen lieferten. Durch das Computerzeitalter erlebte aber auch die Stickerei eine neue Revolution, sodass heute auch aufwendige Stickmotive in kleiner Stückzahl angefertigt werden können. Denn im Gegensatz zum Textildruck vermitteln Stickereien immer einen hochwertigen und exklusiven Eindruck. Wo sich modernste Software und klassisches Kunsthandwerk miteinander verbinden, entstehen Ergebnisse von bleibendem Wert.