Was ist eigentlich Patchwork?


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Wir alle haben den Begriff Patchwork schon einmal gehört, und wer sich für Textilien interessiert, denkt dabei auch sofort an kostbare, farbenfrohe Bettdecken. Doch woher kommt die Tradition überhaupt und wie werden Patchworkstoffe hergestellt? Oft wird Patchwork mit Amerika verbunden, und in der Tat wird die Kunst in Amerika und England besonders gepflegt. Die wahre Geschichte des Patchworks ist aber viel älter und reicht sogar bis zu den alten Ägyptern zurück.

Der Ausdruck Patch stammt allerdings nicht von den Pharaonen ab, sondern kommt natürlich aus der englischen Sprache. Patch bedeutet so viel wie Flicken, und Patchwork könnte man mit dem Wort „Flickwerk“ übersetzen. Patchwork ist also eine Arbeit, die durch das kunstvolle Zusammensetzen vieler kleiner Flicken entsteht. Das älteste bekannte Patchworkstück der Welt stammt aus Ägypten und ist aus Gazellenhaut gefertigt. Es wird auf das Jahr 1000 vor Christus datiert. Die Methode, aus vielen kleinen Stoff-, Filz- oder Lederstücken ein neues, großes Stück zu fertigen, verbreitete sich über den Orient und wurde – wie viele andere Errungenschaften auch – erst von den Kreuzfahrern nach Europa gebracht. Die Ritter verwendeten die Technik allerdings vorerst nicht, um sich warme Decken anzufertigen, sondern sollen sich damit robuste Unterhemden genäht haben, damit die Rüstung nicht so scheuert.

Patchwork in Europa

Natürlich wurde die Technik in Europa begeistert aufgenommen, denn plötzlich war es möglich, aus den Überresten zerschliss- ener Kleidungsstücke neue, kostbare Textilien zu fertigen. Der Recyclinggedanke ist also keineswegs eine Erfindung unserer Tage! Trotzdem ist Patchwork weit mehr als eine kreative Form der „Resteverwertung“, denn viele Patchworkdecken und ähnliche Stücke werden erst durch die eigentliche Näharbeit zu regelrechten Kunstwerken in einem völlig neuen Look.

Patchwork bis zur Vollendung

Besonders im angelsächsischen Raum wurde die Kunst bis zur Vollendung verfeinert. Englische Frauen entwickelten den sogenannten Quilt, eine große Tagesdecke, die bis heute als kostbares Einzelstück viele Betten in England und Amerika ziert. Ein Quilt ist eine Steppdecke aus zahllosen verschiedenen Stoffstücken, die kunstvoll zu einem neuen Muster zusammengefügt und dann vernäht werden. Diese nach oben gerichtete Schauseite wird mit einer wärmenden Schicht aus Vlies oder Wolle verstärkt, dann wird die Unterseite mit einer weichen Stoffbahn vernäht. Damit die drei Schichten nicht verrutschen können und einen guten Halt haben, wird die gesamte Decke mit möglichst kleinen Stichen gesteppt, weshalb sie auch als Steppdecke bezeichnet wird. Einer solchen Decke wird heute noch in manchen Gegenden ein mystischer Symbolcharakter zugeschrieben. So soll sie nicht nur warmhalten, sondern auch die Fruchtbarkeit fördern, vor Unglück schützen und zu Ansehen in der Gemeinde verhelfen.Wettbewerbsquilt „Architektur und Landschaft

Die tapferen Siedlerinnen, die sich von Europa nach Amerika aufmachten, um ein besseres Leben zu finden, nahmen die Technik des Patchworks natürlich mit, denn in der amerikanischen Wildnis waren Stoffe rar und jeder noch so kleine Fetzen musste genutzt werden. Was damals aber aus der Not heraus entstand, ist heute eine kostbare Tradition. Natürlich wäre es heute viel günstiger, eine fertige Decke zu kaufen, in vielen ländlichen Regionen treffen sich aber heute noch die Frauen der Nachbarschaft, um einer jungen Braut eine Decke zu quilten, dabei Geschichten zu erzählen und ihre Segenswünsche in den Stoff hinein zu weben. Solche Decken werden heute in Museen ausgestellt und innerhalb der Familien sogar testamentarisch weitervererbt.

Interesse an einem Patchwork-Kurs?

Leider ist in unserer Region die Patchworktechnik nicht so verbreitet, sodass die wenigsten von uns sie von klein auf erlernt haben. Das ist aber kein Grund, darauf zu verzichten! In den Patchwork-Kursen in unserem Atelier können Sie die Kunst der Patchworktechnik erlernen, gleich gesinnte Patchworkfans treffen und vielleicht auch das eine oder andere Stück Glück in Ihr eigenes Patchworkstück hineinweben. So können Sie vom dekorativen Wandteppich bis hin zum kostbaren Quilt Ihrer Kreativität freien Lauf lassen und mit diesem wundervollen Hobby eine eigene Familientradition gründen.